Methodik.
Wie cobank jede CO2e-Position berechnet, klassifiziert und dokumentiert. Diese Seite ist das öffentliche Protokoll der Entscheidungen, die wir treffen, bevor irgendeine Rechnung gelesen wird: welchen Standards wir folgen, welche Faktorbibliotheken wir verwenden und wie wir entscheiden, wann Daten stark genug zum Ausweisen sind – und wann nicht. Sie ist bewusst lang statt kurz geschrieben, denn eine versteckte Annahme kostet hier mehr als ein langer Absatz.
Geltungsbereich & Konsolidierungskreis.
cobank weist Emissionen auf Unternehmensebene nach dem GHG Protocol Corporate Standard aus. Die organisatorische Grenze folgt der operativen Kontrolle: Eine Einheit erscheint im Hauptbuch, wenn das berichtende Unternehmen ihre Geschäftspolitik bestimmen kann – unabhängig von der Beteiligungsquote. Das wird einmal pro Workspace festgelegt und über die Perioden konstant gehalten, sofern sich das Unternehmen nicht formell umstrukturiert.
Innerhalb dieser Grenze berechnet cobank Scope 1 (direkte Verbrennung und flüchtige Emissionen), Scope 2 (eingekaufte Elektrizität, Dampf, Wärme und Kälte, ausgewiesen sowohl location-based als auch market-based, wo Residualmix-Faktoren verfügbar sind) sowie den wesentlichen Teil von Scope 3 nach dem GHG Protocol Scope 3 Standard: Kategorie 1 (eingekaufte Waren und Dienstleistungen), Kategorie 3 (brennstoff- und energiebezogene Aktivitäten), Kategorie 4 (vorgelagerte Transporte), Kategorie 6 (Geschäftsreisen) und die wesentlichen Teilbereiche der Kategorien 2, 5 und 7.
Was cobank standardmässig nicht ausweist: Die Scope-3-Kategorien 8 bis 15 (Nutzungsphase, Lebensende, Franchisen, Investitionen, nachgelagerte Transporte und geleaste Anlagen) bleiben ausser Betracht, sofern der Workspace sie nicht ausdrücklich konfiguriert – die Datenqualität kategorieweiter ausgabenbasierter Schätzungen an diesem Ende der Wertschöpfungskette liegt deutlich unter allem anderen im Hauptbuch. Scope-1-Quellen ausserhalb der Energie, für die kein publizierter Faktor existiert, werden markiert statt geschätzt. Schweigen zu einer Kategorie ist besser als eine Zahl, die der Auditor nicht verteidigen kann.
Berechnungsmethoden.
Jede kgCO2e-Zahl in cobank entsteht nach einer von drei Methoden – immer in dieser Reihenfolge geprüft und auf der Position vermerkt.
Physische Aktivität
Bevorzugt, wo die Rechnung eine physische Menge ausweist. kgCO2e = Aktivität × Faktor: etwa kWh Elektrizität mal Netzfaktor, Liter Diesel mal Brennstofffaktor, Kilogramm eines bestimmten Materials mal Produktfaktor. Die Stromrechnung eines Schweizer Herstellers über 142'580 kWh gegen den aktuellen BAFU-Netzfaktor ist eine physische Berechnung; das Ergebnis ist auf die Kilowattstunde reproduzierbar.
Distanz × Gewicht (Fracht)
Für Transporte, bei denen die Rechnung Distanz und Gewicht ausweist. kgCO2e = Tonnenkilometer × Modalfaktor, nach ISO 14083:2023 für die Definition des Transportvorgangs, die Hub-Allokation und die Modalitätshierarchie. Zuschläge auf einer Frachtrechnung (BAF, CAF, LSS, Standgeld, Kaigebühren) fallen unter die Zuschlag-null-Regel unten und gelten nicht als zusätzliche Fracht.
Ausgabenbasiert (EEIO)
Nur verwendet, wenn die Methoden 01 und 02 für eine Position nicht verfügbar sind. kgCO2e = CHF × EEIO-Faktor, mit einem Faktor aus einer kuratierten umwelterweiterten Input-Output-Bibliothek, zugeordnet zur Branche des Lieferanten. Jede ausgabenbasierte Position trägt im Hauptbuch einen tieferen Konfidenzwert und ein sichtbares "Spend-Methode"-Tag – der Reviewer sieht auf einen Blick, welche Zahlen auf dünnerer Datenlage stehen.
Zuschlag-null-Regel. Auf Transport- und Energierechnungen erhalten Frachtzuschläge (BAF, CAF, LSS, Treibstoffzuschläge, Standgeld), Steuern (MwSt, VAT, TVA), Verwaltungsgebühren, Servicepauschalen und rückwirkende Korrekturen im Hauptbuch die activity_role surcharge / tax / fee / adjustment und emittieren null kgCO2e. Das ist eine direkte Anwendung der GHG-Protocol-Vorgaben zur Vermeidung von Doppelzählung: Die physische Aktivität hinter der Emission ist bereits auf der übergeordneten Primärposition erfasst, und dieselbe Tonne CO2e doppelt zu zählen, weil der Spediteur die Frachtrate auf drei Rechnungszeilen verteilt hat, würde das Total aufblähen. Der Klassifikator ist deterministisch, nicht probabilistisch: Eine Position erfüllt die Regel oder nicht, und das Hauptbuch protokolliert die Begründung und die Primärposition, auf die sie verweist.
Faktorquellen.
cobank verwendet eine kuratierte Bibliothek publizierter Emissionsfaktoren. Jeder Faktor trägt eine Quelle, eine Version, eine Anwendungsregion und ein Gültigkeitsfenster. Bei der Berechnung einer Position wird die am Rechnungsdatum gültige Faktorversion über factor_version_id an die Position geheftet – dauerhaft.
Auswahlhierarchie. Für jede Position wendet cobank die kuratierte Berechnungsbibliothek (51 Faktoren aus 13 Quellenlabels) in fester Reihenfolge an: BAFU (wenn Workspace-Land = CH) → DEFRA 2024 (für Fracht, Brennstoffverbrennung und Geschäftsreisen) → GLEC 2025 / IMO 2025 (für Logistikketten) → ausgabenbasierte EEIO-Faktoren als letzte Stufe. Ein separater semantischer Pool mit 1'397 Faktoren (DEFRA 2024 + EXIOBASE 3, pgvector-indiziert) liefert auf der Provenance Card Alternativvorschläge ab einer Cosinus-Ähnlichkeit von 0.78 mit verlangtem Subkategorie-Match – er treibt nie eine berechnete Zahl. Eine Position ohne kuratierten Treffer geht in die Review-Warteschlange und wird nicht stillschweigend angenähert.
Optionale Add-ons. Ecoinvent ist auf Enterprise-Tarifen als kundenseitig beschafftes Add-on verfügbar, wenn die Auditfirma oder die interne Methodik eines Kunden es ausdrücklich verlangt; cobank verteilt ecoinvent nicht standardmässig weiter, weil es für glaubwürdiges freiwilliges Reporting in der Schweiz und der EU nicht erforderlich ist. Auf Enterprise-Tarifen ist zudem eine kundeneigene Faktorbibliothek (Override-Modus) verfügbar; siehe Enterprise-Tarif.
Versionsprotokoll. Faktorversionen werden beim Einfügen pro Position über factor_version_id fixiert. Publiziert eine Quelle eine neue Version, werden frühere Berichtsperioden nicht automatisch angepasst; historische Zahlen bleiben an die Faktoren gebunden, die am Rechnungsdatum galten. Restatements werden auf Anfrage pro Periode dokumentiert – über einen Perioden-Snapshot-Hash, der den exakten Faktorsatz beim Abschluss festhält.
Konfidenz & Datenqualität.
Jede Position trägt einen Konfidenzwert zwischen 0.00 und 1.00, der zusammenfasst, wie belastbar die Berechnung ist. Drei Grössen speisen den Wert: die Qualität der Faktorquelle (physische Faktoren von BAFU oder DEFRA liegen über ausgabenbasierten EEIO-Notlösungen), die Sicherheit der Klassifikation (ein starker Lieferantentreffer mit eindeutiger Beschreibung liegt über einer generischen Zeile eines unbekannten Lieferanten) und ein Abzug für jedes Feld, das hergeleitet statt von der Rechnung gelesen werden musste. Der Wert ist ein Review-Signal, kein Korrekturfaktor: Ein tiefer Wert reduziert nicht die ausgewiesenen kgCO2e, sondern bestimmt, wohin die Position im Workflow geht.
needs_review = true. Von Exporten ausgeschlossen, bis ein Reviewer die Position klärt.Die Konfidenz ist auf jeder Hauptbuchzeile und jeder Zeile der Provenance Card sichtbar. Überstimmt ein Reviewer eine Klassifikation, wird der Eingriff neben dem ursprünglichen Vorschlag protokolliert, samt den Bibliothekszeilen, aus denen er stammte, und der Identität des Reviewers; der Konfidenzwert wird neu berechnet, nicht überschrieben.
Unveränderlichkeit & Prüfpfad.
Jeder Schreibvorgang an einer Position (Anlage, Änderung, Override, Review, Abschluss) läuft durch eine Hash-Kette. Jede Zeile führt einen row_hash über ihre eigenen Felder und einen prev_hash auf den vorherigen Zustand. UPDATE und DELETE sind per Row-Level-Security auf jeder Position blockiert, deren Berichtsperiode abgeschlossen ist – eine abgeschlossene Periode lässt sich nicht stillschweigend umschreiben. Berichtigungen eröffnen eine neue Version mit sichtbarem Restatement-Pfad, statt die Historie leise zu verändern. Jede Faktorversion wird beim Schreiben fixiert, sodass historische Berechnungen auch dann reproduzierbar bleiben, wenn die Faktorbibliothek weiterzieht.
Damit lässt sich jede Zahl in einem cobank-Bericht aus ihren Eingaben rekonstruieren: der Rechnung, aus der sie stammt, der Position, in die sie extrahiert wurde, dem angewandten Faktor und der Person, die die finale Klassifikation freigegeben hat. Reproduzierbarkeit ist hier keine Marketingaussage, sondern die Form der Datenbank.
Stand der unabhängigen Prüfung.
Zur Klarstellung: Die Berichte, die einen cobank-Workspace verlassen, sind interne Managementzahlen, bis ein akkreditierter Prüfer sie getestet hat. Wünscht ein Kunde Limited oder Reasonable Assurance nach ISSA 5000, unterstützt die Werkbank auftragsbezogenen Lesezugriff, risikobasierte Stichproben, Arbeitspapiere pro Aussage und ein signiertes Nachweispaket, auf das sich die Prüfgesellschaft stützen kann. Das Prüfurteil bleibt bei der Gesellschaft; cobank liefert das Arbeitspapier darunter.
Siehe auch: Was VSME von einem Schweizer KMU tatsächlich verlangt – der Primärquellen-Durchgang für einen Schweizer CFO, dessen EU-Kunde gerade VSME-konforme Daten angefragt hat.